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Zurück zu den Wurzeln am Traunsee

Die Traunsee-Region ist mehr als Segeln, Villen und Gmundner Keramik.

Sie ist reich an Menschen, die aus einem ganz besonderen Holz geschnitzt sind. Zurück zu den Wurzeln lautet ihre Mission.






Naheliegend. Zumindest für die Gmundner. Denn an ihrem Hausberg liegen einige der schönsten Logenplätze der Natur. Der Grünberg verzaubert als Idyll und Erholungsraum hoch über der Keramikstadt. Den Berg und sein rund 20 Kilometer großes Wanderwegenetz zu ergründen, das führt einen mitunter auf den Holzweg. Im wahrsten Sinne. Über eine Länge von 1.400 Metern und bis zu 21 Meter Höhe schlängelt sich der begehbare Baumwipfelpfad durch den Bergmischwald. Es braucht hier nicht die Schwingen eines Adlers, um sich in die Lüfte zu erheben, sondern bloß die zuverlässige Antriebskraft der eigenen Beine. Spiralförmig erreicht man den höchsten Punkt mit Panoramablick – die Aussichtsplattform am architektonischen Holzturm-Konstrukt. Hier oben eröffnet sich die herrliche Weite des gesamten Alpenvorlandes, vom Traunsee bis zum Dachstein. Zu Füßen ein rauschendes Blättermeer. Der Herbst hat mit dem Pinsel das satte Grün mit Goldgelb und Rost übermalt. Die Farbenpracht zieht in den Bann. Wurzeln zu schlagen kann hier leicht passieren. Also nichts wie weiter zum Laudachsee bei der Ramsaualm – eine Stunde Fußmarsch entfernt.

Aus der Not eine Tugend.

Der Holzweg am Grünberg kommt nicht von ungefähr. Holz war in der Gegend immer schon reichlich vorhanden. Mit besonderem Geschick wussten das die Bewohner der Viechtau, einem Landstrich zwischen Traunkirchen, Altmünster und der Großalm, zu nutzen. Sie machten aus der Not eine Tugend. Und erlangten dadurch Bekanntheit weit über die Grenzen hinaus. Ab dem 14. Jahrhundert brachten die Schnitzer als hausierende Kraxenträger ihre Holzwaren unter die Leut‘. In der Blütezeit exportierten die Viechtauer Schnitzer, Drechsler und Kluppenmacher dann ihren hölzernen Hausrat und das begehrte Spielzeug sogar bis nach Russland, Rumänien und in die Türkei.

Die Erfinder der Wäschekluppe.

Es waren die Holzknechte, deren Lebensmittelpunkt das Holz war und die einst mit der Herstellung von Gebrauchsgegenständen begannen. In Heimarbeit fertigten sie Löffel, Teller oder Spielzeug wie bemalte Holzpuppen, im Volksmund „Docken“ genannt. Die Viechtauer Holzknechte gelten auch als Erfinder der Wäschekluppe. Doch der Tag ist zu schön, um jetzt ans Wäscheaufhängen zu denken. Dass Traditionen und das Lebensgefühl dieser Region trotzdem nicht in Vergessenheit geraten, dafür sorgt Josef Moser als Obmann des Viechtauer Heimathauses. Federführend konserviert er das Wissen um Herkunft, Brauchtum und die Wurzeln des Handwerks. Immer wieder lässt sich bei Vorführungen im Heimathaus den Schaudrechslern und den seltenen Vogelschnitzern über die Schulter blicken. „Oiso, schauts vorbei und huckts eich zuawa“, so Mosers herzlicher Appell.



Die Vogelschnitzer. Johann Hofstätter und Fritz Lüftungen investieren viel Zeit und Geduld in ihre geschnitzten Vögel, die früher als eine Art Liebesgabe die Herzdame erobern sollten.


Geschnitzte Tiere.

Apropos geschnitzte Tiere: Wer steckt eigentlich hinter den auffallenden Tierfiguren am Grünberg? Der Heimathaus-Obmann müsste jemand sein, der das wissen könnt‘. Und prompt: „Da Motorsagla aus Kirchham“. Herbert Danzer sein Name, Vizestaatsmeister im Schnitzen. Die Motorsäge, das krasse Gegenteil von Werkzeug also, womit die Vogelschnitzer Fritz Lüftinger und Johann Hofstätter ihre filigranen Blaumeisen und Spechte schnitzen. Just wird einem bewusst, dass Holz schier Gegensätzliches vereint: Robustheit und Fingerspitzengefühl. Welch ein geniales Material.

Kunsthandwerk aus Holz.

Auch das pittoresk gelegene Traunkirchen besinnt sich auf die Holztradition und bietet dem Kunsthandwerk eine Bühne. 1994 ins Leben gerufen, überrascht der Traunkirchner Holzmarkt alljährlich im September mit einer Vielfalt an Werkstücken: von der Sitzgarnitur aus Schwemmholz, Floristik mit Holz, Kochlöffeln, Krippenfiguren, Musikinstrumenten, Vogelnistkästen, Holzschmuck bis zu Holztaschen reicht das Sortiment. Der Holzmarkt soll an die Hochblüte der „Viechtauer Ware“ erinnern. Rund 70 Aussteller aus Österreich, Ungarn und Deutschland stellen hier mit Stolz ihr kunsthandwerkliches Geschick zur Schau.



Lassen Sie sich inspirieren!


Die ganze Geschichte lesen Sie jetzt in der aktuellen Ausgabe.

Text: Petra Kinzl Fotos: Mühlleitner, Viechtauer Heimathaus



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