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Werthers Egotrip in Gmunden

Philipp Hochmair kehrt mit „WERTHER!“ zu seinen Ursprüngen zurück und eröffnet mit dieser Annäherung an einen Klassiker der Weltliteratur am 17. September um 19.30 Uhr im Stadttheater Gmunden den Kulturherbst der Salzkammergut Festwochen Gmunden.


© Stephan Brückler


Philipp Hochmair hat Goethes Monolog über den liebeskranken Anti-Bürger neu interpretiert und wird am Samstag, 17. September, im Stadttheater Gmunden mit „WERTHER!“ in einer Soloperformance zu erleben sein. Die intimen Briefe sind Zeugnis des Rausches, in dem sich Werther befindet und denen Hochmair leidenschaftliche Verkörperung verleiht. Lustvoll und unmittelbar verdichtet Philipp Hochmair das 245 Jahre alte Kultbuch zur intensiven Innenschau eines sensiblen Mannes und der ekstatischen Kraft von Liebe, Leid und Leidenschaft. Eine Einladung zum wohl berühmtesten Egotrip der deutschen Literatur.


Dass der vielbeschäftigte Schauspieler nach Gmunden kommt, ist in erster Linie auch Karin Bergmann zu verdanken. Die Intendantin der Salzkammergut Festwochen Gmunden war eine der ersten Förderinnen von Philipp Hochmair. Wir haben mit dem Schauspieler über die Welt der Sprache, der Liebe und ein freudiges Nach-Hause-Kommen gesprochen.


Herr Hochmair, „Werther“ war vor über 20 Jahren Ihr erster Monolog, den Sie unter anderem am Burgtheater oder am Berliner Ensemble gespielt haben. Mittlerweile haben Sie das Stück mehr als tausend Mal aufgeführt. Inwieweit identifizieren Sie sich mit dem Protagonisten?

Gute Frage. Es geht ja eher ums Erweitern und Schöpfen von Sprache und auch um Musikmachen. Meine Botschaft ans Publikum ist nicht unbedingt die Tragödie, also dass sich Werther am Ende erschießt, für mich geht es um einen Menschen, der seine eigenen Grenzen überwindet. Goethes „Werther“ ist eine Geschichte über die Sprache der Liebe und das Erfinden von Sprache. Der Protagonist manövriert sich absichtsvoll in einen Zustand, bei dem es zwangsläufig zu einer Sprachschöpfung kommt, und dieses Sprachschöpfen ist die Performance. Damit identifiziere ich mich sehr.


Die Sprache spielt bei diesen Stücken bzw. Ihren Soloprojekten eine große Rolle. Sie sind damit auch international unterwegs. In welchen Sprachen spielen Sie und wie schwierig ist das?

Ich habe den „Werther“ bereits in mehreren Sprachen aufgeführt – auf Englisch, Französisch und in einer spanischen Variante. Es waren sehr spannende Erfahrungen, mich mit diesem Stück, das ich so gut kenne, international zu präsentieren. Ob Australien, Südafrika, Sibirien oder Japan – das Goethe-Institut hat mich mit dieser reduzierten Inszenierung in die Welt hinausgeschickt. Und es hat mit Übertitel oder in einer zweisprachigen Fassung immer erstaunlich gut funktioniert. Das Thema des liebeskranken Werther betrifft alle und überall.


Schiller, Goethe, Hugo von Hofmannsthal ... warum fällt Ihre Wahl gerade auf diese Schriftsteller bzw. Literaten?

Das ist eine Rechtefrage. All diese Literaten sind schon über 70 Jahre tot, und somit gehört dieser Schatz der Allgemeinheit. Ich darf also den Text kürzen und bearbeiten. Goethes Brief- roman zum Beispiel ist im Original ja wesentlich länger als unsere Aufführung.


© Stephan Brückler


Welche Relevanz hat Goethes Briefroman über den liebeskranken Werther in Zeiten von Tinder, Facebook und Twitter? Warum, glauben Sie, haben diese klassischen Texte inhaltlich in Zeiten wie diesen kaum etwas eingebüßt?

Egal, in welcher Zeit wir leben, diese großen Gefühle ändern sich nicht. Tinder und Social Media verändern unsere Wahrnehmung extrem. Und wer weiß, wenn Werther YouPorn hätte nutzen können oder mit seiner Lotte über Instagram verbunden gewesen wäre, hätte das sicher in seinem Gehirn etwas verändert. Aber diese Kommunikationskanäle gab es damals nicht. Daher ist es interessant, zurückzuschauen, was passiert, wenn man für Sehnsucht und Gefühle nur die Sprache und die Briefform zur Verfügung hat, ohne diese digitalen Ablenkungen und Vernetzungen rundherum. Vielleicht ist es auch der Versuch einer Rückbesinnung, denn durch das schnelle, kurze Schreiben via WhatsApp wird unsere Sprache deformiert, reduziert und arm. Goethe hatte einen wertvollen Sprachschatz. Während ein „normaler Mensch“ in seiner Muttersprache ungefähr 3.000 Worte zur Verfügung hat, hatte Goethe 10.000. Diese Reichhaltigkeit geht verloren. Das ist für mich eine Motivation, mich damit zu beschäftigen und das zu performen.


Gemeinsam mit Ihrer Band „Die Elektrohand Gottes“ schaffen Sie es, Hochkultur zeitgemäß zu interpretieren und Menschen ins Burgtheater zu bringen, die dort normalerweise nicht hingehen. Sie haben damit etwas sehr Einmaliges geschafft, wie geht es Ihnen damit?

Wir benutzen die Form eines Rockkonzerts oder eines Techno Raves, um diese tollen Texte zum Klingen zu bringen. Und ich freue mich natürlich, dass wir damit auch ein neues Publikum gewinnen. Mein Anliegen war es immer, die Türen zu öffnen und alle ins Theater einzuladen, vor allem die Menschen, die da sonst nicht so recht hinfinden würden.

Karin Bergmann, die ehemalige Burgtheaterdirektorin, war eine Ihrer ersten Förderinnen, jetzt leitet sie die Salzkammergut Festwochen Gmunden. Was bedeutet es für Sie, im Salzkammergut aufzutreten bzw. womit verbinden Sie das Salzkammergut?

Mit dem Salzkammergut verbinde ich meine Kindheit, Baden und Sommer – es ist meine Seelenheimat. Mit Klaus Maria Brandauer habe ich vor 25 Jahren in Altaussee begonnen, Theater zu spielen. Es freut mich natürlich sehr, dass Karin Bergmann jetzt hier ist! Es ist für mich eine Art Nach-Hause-Kommen.


Was darf sich das Publikum von Ihrem Auftritt am 17. September erwarten?

Wir bringen in Gmunden die Originalinszenierung aus den 1990er-Jahren. Vielleicht ist das eine Art Zeitreise? Karin Bergmann hat sich die Originalfassung aus dem Jahr 1997 gewünscht. Das war meine erste Arbeit überhaupt. Der „Werther“ in dieser Fassung entstand gemeinsam mit dem Regisseur und Kommilitonen Nicolas Stemann, der zurzeit der Intendant am Schauspielhaus Zürich ist. Es ist eine Art Juwel aus unseren frühen Anfängen.


Sind Sie vor Ihren Auftritten eigentlich noch nervös?

Ich würde sagen, ich bin in einer vorfreudigen Anspannung. Im vergangenen Monat hatten wir erstaunlich viele Auftritte an den unterschiedlichsten Orten, in unterschiedlicher Besetzung. Das bedeutet, dass ich im permanenten Spielfluss bin. Vor den Auftritten verspüre ich immer eine Vorfreude und bin gespannt, wie das Publikum und der jeweilige Ort auf uns wirken und was gleich passiert ...


Woran arbeiten Sie gerade? Wird man Sie auch bald wieder im Fernsehen sehen?

Ich kann nicht alles verraten, aber die Krimiserie „Blind ermittelt“ geht aufgrund des großen Erfolges definitiv weiter, und wir beginnen nach dem Sommer mit den Dreharbeiten für die Folgen acht und neun.


Text: Ulli Wrigth


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