• Unser Salzkammergut

Von Goldhauben, Nonnen und Salzpiraten...

Aktualisiert: 29. Sept 2020

In der aktuellen Ausstellung 1.000 Jahre Kloster Traunkirchen wird Geschichte (be)greifbar: In Klosterräumen, die bisher der Öffentlichkeit nicht zugänglich waren, wird das Leben in einem der ältesten Frauenklöster im heutigen Oberösterreich beleuchtet, und die Reformation im Wandel der Zeit ausführlich dargestellt.



Der Rundgang beginnt im Handarbeitsmuseum mit einer beeindruckenden Sonderausstellung von prachtvollen Goldhauben sowie barocken Priestergewändern und endet in der ehemaligen Klosterkirche und heutigen Pfarrkirche mit der berühmten „Fischerkanzel“. Dazwischen liegt ein ganzes Jahrtausend voller Geschichte und Geschichten über das Leben der Geistlichen hinter den Klostermauern, archäologischen Ausgrabungen mit Entdeckungen, die den Funden aus Hallstatt durchaus ebenbürtig sind und auch die Zerstörung des Klosters sowie der Kirche durch zwei schwere Brände

ist ein Thema. Im ebenfalls geschichtsträchtigen Gemäuer des Hotels „Die Post am See“ – der ehemaligen Hoftaverne des Klosters – fand aktuell zur Ausstellung ein Interview für „Unser Salzkammergut“ statt. Teilnehmer der Gesprächsrunde waren Andreas Murray, Direktor und Geschäftsführer des Tourismusverbands Traunsee-Almtal, Bettina Ellmauer, ebenfalls Tourismusverband Traunsee-Almtal und für die Ausstellungsorganisation mitverantwortlich, sowie Hotelier Wolfgang Gröller, Traunseehotels, aus Traunkirchen.


Herr Murray, Klöster waren ja nicht nur spirituelle und religiöse Zentren, sondern auch wichtige Impulsgeber für die Entwicklung einer Region. Welche Funktion hatte das Kloster Traunkirchen?

Als einziges Kloster bzw. einzige Klosterkirche hier in der Region hatte das Kloster Traunkirchen tatsächlich eine sehr wichtige Funktion. Sowohl spirituell als auch wirtschaftlich. Menschen aus den Umlandgemeinden – wie beispielsweise Ebensee – sind entweder über den Berg hier her gewandert oder per Schiff über den See gekommen, um die Kirche zu besuchen. Die Benediktinerinnen hatten zudem, abgesehen vom Kloster, Wirtschaftsgüter zu verwalten. Hier im Hotel „Die Post am See“ befand sich zum Beispiel die Hoftaverne des Klosters. Jene Menschen, die an der Errichtung des Klosters mitgearbeitet haben oder im Kloster selbst beschäftigt waren, wurden hier Anfang des 14. Jahrhunderts untergebracht und versorgt.


Und heute? Wie wird das Kloster Traunkirchen im Gegensatz zu früher erhalten?

Wolfgang Gröller: Vom Gründungsjahr 1020 bis ins Jahr 1773 – also über 700 Jahre – wurde das Kloster von Benediktinerinnen und Jesuiten als Kloster genutzt. Seit 1773 dient das Kloster als Pfarrkirche und Gemeinschaftseinrichtung. Im Vergleich zu früher, wo Nonnen Lehen zur Erhaltung einforderten, wird heute das Kloster von einer Pfarrgemeinschaft und der Gemeinde erhalten. Die prächtigen Räumlichkeiten im

Kloster werden für Hochzeiten und Veranstaltungen vermietet, außerdem gibt es dort das Wirtshaus Klosterstube. Mit diesen Einnahmen wird das Kloster heute finanziert. So gesehen, ist das Kloster seit eintausend Jahren – jeweils an die Entwicklung und die Umstände der Zeit angepasst – ein Wirtschaftskörper, der sich selbst erhält.




Warum wurde gerade Traunkirchen als Standort für ein Kloster gewählt?

Andreas Murray: Da haben sicher mehrere Aspekte zusammen gespielt. Damals, noch vor der Reformationszeit, war der Bischof von Passau zuständig für dieses Gebiet. Auf der Suche nach religiösen und wirtschaftlichen „Stützpunkten“ war Traunkirchen als Knotenpunkt des Salzhandels, der ja über den Traunsee geführt hat, strategisch gesehen mit Sicherheit eine interessante „Location“.


Grundlagen für die Ausstellung waren nicht zuletzt Gräberfunde, die auf einen regen Austausch zwischen Traunkirchen und Hallstatt vor fast 7.000 Jahren schließen lassen.

Andreas Murray: Ganz richtig. Hier wurden Ausgrabungen gemacht mit Entdeckungen, die den Funden aus Hallstatt gleichzusetzen sind. Da hat es eine Achse, eine Verbindung

über den See und den Traunfluss gegeben. Traunkirchen war ja ein wichtiges, logistisches Zentrum für alle Menschen, die am Salzhandel beteiligt waren. So gab es auch einen regen Austausch zwischen diesen beiden Orten im Salzkammergut. Gefunden hat man hier Grabbeigaben in Form von Tongefäßen, Gebrauchsgegenstände wie Messer, Dolche, Schmuck etc. Das alles kann man in der aktuellen Ausstellung sehen.


1.000 Jahre – eine enorm lange Zeitspanne. Wie sind Sie hier vorgegangen, um Inhalte und Schwerpunkte der Ausstellung festzulegen?

Andreas Murray: Als wir vor zwei Jahren mit der Ausstellungsplanung begonnen haben, war uns wichtig, die Diözese, die Pfarre, die Goldhaubengruppe OÖ, sowie „ArcheKult“ und schließlich die Gemeinde miteinzubinden. Im Vergleich zu anderen Klöstern und Stiften, die ein Jubiläum feiern, gab es bei uns die Problematik, dass das Kloster

ja nicht mehr als solches von einem Orden geführt und erhalten wird.


Eine andere Herausforderung war, dass in diesen 1.000 Jahren Klostergeschichte das Kloster zwei Mal (in den Jahren 1327 und 1632) abgebrannt ist. Dabei sind ein großer Teil an Urkunden und Dokumenten verloren gegangen. Zur Zeit der Jesuiten hier im Kloster – vor ca. 400 Jahren, ist man immer wieder in deren Aufzeichnungen auf das Jahr 1020 als Gründungsjahr gestoßen. Außerdem kommt das Jahr 1020 im Gründungsbild,

einem Ölgemälde aus dem Jahr 1532, vor. Dieses ist ebenfalls in der Ausstellung zu sehen.


Lassen Sie sich inspirieren!

Die ganze Geschichte lesen Sie jetzt in der aktuellen Ausgabe.

Text: Zivana de Kozierowski Fotos: brainpark.traunsee


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