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Villen-G´schichten vom Attersee

Kaum einer weiß so viel über die Geschichte der einzelnen

Jahrhundertwende-Villen rund um den Attersee wie Alwis Wiener.

Wie aus einem Fernsehmechaniker ein Villen-Experte wurde und aus

reinem Interesse eine große Leidenschaft ...




Herr Wiener, Sie haben - wie Sie es formulieren - ein „originelles Hobby“

in Ihrer Pension gefunden: Sie begleiten die Villen- und Schlösser-Schifffahrten

am Attersee mit Ihrem umfangreichen Wissen zu vielen der historischen Häuser

am See. Wie kam es dazu?

Ich war ja Fernseh-Mechaniker von Beruf und bin 40 Jahre lang hier am Attersee bei vielen der Villen ein- und ausgegangen. Das waren sozusagen alles Kunden von mir. Im Laufe der Zeit konnte ich dann beobachten, wie viele der Villen verkauft wurden und die neuen Besitzer kaum etwas über die Vorgeschichte ihres Hauses wussten. Die waren dann natürlich sehr interessiert, wenn da ein Fernsehmechaniker kam und ihnen etwas über ihren neuen Besitz erzählen konnte.


Wie gehen Sie denn bei den Recherchen über diese Häuser vor? Was sind

Ihre Informationsquellen?

Was ich sammle, sind alte Fotos und die Geschichten historischer Häuser. Aber nicht, indem ich in Grundbüchern nachsehe, sondern indem ich Leute befrage. Der Unterschied dabei ist, dass man aus offiziellen Aufzeichnungen ausschließlich Fakten herauslesen kann. Doch unterhält man sich mit den Bewohnern, den Nachbarn, den

Verwandten und Freunden über ein Haus, dann kommen Geschichten ans Tageslicht, die nirgendwo geschrieben stehen. Mit einer Ausnahme: Hier in meinem Laptop. (lacht)


Bekommen Sie da nicht von einer Geschichte die verschiedensten

Versionen zu hören?


Genau so ist es. Denn der Villenbesitzer erzählt eine Geschichte, der Nachbar aber eine ganz andere. Natürlich schreibe ich dann beide auf. Man könnte meine Tätigkeit mit dem Sammeln von Briefmarken vergleichen. Man freut sich unendlich, wenn man

wieder ein kleines, fehlendes Teilchen findet, das sich in eine Sammlung bzw.

Geschichte einfügen lässt. Oft glaube ich, schon alles zu wissen, dann kommt

durch eine neue Version einer Geschichte eine völlig andere Situation heraus.

Manche der Geschichten erzähle ich auf der Villenrundfahrt am Schiff, manche schreibe ich auf und behalte sie für mich. Schließlich ist nicht alles für die Öffentlichkeit bestimmt.




Was haben Sie denn herausgefunden, das Sie uns erzählen möchten?

Die Geschichte über das Forsthaus in Weißenbach erzähle ich ganz gerne.

Dort hat Gustav Klimt die Sommermonate von 1914 bis 1916 verbracht. Unten

lebte der Förster mit seiner Familie und oben im 1. Stockwerk der Künstler.

Leider ist dieses Haus im vergangenen Jahrhundert völlig verfallen bis eine

englische Familie die Ruine gekauft hat. Ein Glücksfall, denn sie stellten das

alte Forsthaus wieder so her, wie es im Originalzustand ausgesehen hat. Wovon

die neuen Besitzer aber gar nichts wussten, war die Geschichte des Hauses

und ihres prominenten Vormieters. Bis ich kam, um eine Satellitenschüssel zu

montieren ...


Sie sind also so etwas wie ein Botschafter zwischen den Besitzern einerseits

und den Geschichten der Häuser andererseits. Sind es die Prominenten,

welche diese Geschichten auszeichnen?

Bestimmt ist der Aspekt der Prominenz ein wesentlicher. Ob das nun Thomas

Bernhard war, der seinen „Lebensmenschen“, wie er Hedwig Stavianicek

bezeichnet hat, im Bräu in Nußdorf regelmäßig besuchte, weil das hier ihr „Stammplatz“ war im Sommer – von da hatte sie es nicht weit zu den Salzburger Festspielen oder Friedrich Gulda, der die Waschküche von Charlotte Wolters Villa in Weißenbach in sein Studio umbaute und nachts so laut Musik machte, dass er Stress mit der Villeneigentümerin nebenan, Frau Gardebusch, bekam. Den Reiz der Geschichten machen bestimmt auch diese bekannten Namen aus.




Waren denn alle Prominenten hier wirklich Villenbesitzer?

Nein, ganz und gar nicht. Es gab früher ein Phänomen, den sogenannten „paying guest“. Es war also gang und gäbe, prominente Gäste ins Haus zu holen, gegen Bezahlung natürlich. Nicht nur das Haus, auch das Personal wurde untereinander geteilt. So wurde der Erhalt der Villa finanziert. Oft wussten Außenstehende gar nicht, wer der Villenbesitzer und wer der zahlende Gast war. Die wurden auch manchmal verwechselt.


So war das zum Beispiel bei der Böhler Villa auf der Insel Litzlberg. Als der Besitzer der Villa und Eigentümer der Böhler Stahlwerke starb, musste die als gute Gastgeberin

bekannte „Mama Böhler“ nicht nur das Haus, sondern zudem die Insel in Litzlberg

erhalten. Also hatte sie sich auch einen „paying guest“ gesucht und den berühmten Burgschauspieler Raoul Aslan dafür gewinnen können. Das Problem allerdings war, dass der Schauspieler aufgrund seiner Prominenz nicht einsah, dass er für die

Unterkunft etwas zahlen sollte.





Stimmt die Erzählung, dass es hier am Attersee erst seit ca 1880 Schwäne am See gibt, weil sich das eine gewisse Charlotte Wolter unbedingt „eingebildet“ hat?

Ja, es heißt, dass die Gräfin und Burgschauspielerin Charlotte Wolter, die mit ihrem Ehemann, Graf O´Sullivan in Weißenbach gelebt hat, eine richtige Trendsetterin war. Eine ihrer Leidenschaften war es, „Lawn- Tennis“ zu spielen, also Tennis auf einem

Rasenplatz. Aufgrund ihrer Begeisterung dafür wurden rund um den See die ersten

Tennisplätze errichtet. Aus einem Zeitungsartikel aus dem Jahr 1886 geht außerdem hervor, dass sie meinte, jeder Villenbesitzer am Wasser bräuchte auch ein paar Schwäne, damit es richtig idyllisch ausschaut. So wurden also hier am Attersee Schwäne angesiedelt.


Die ersten Villen hier am See - wann und warum wurden diese eigentlich gebaut?

Ungefähr um 1870 ging´s hier mit der Bautätigkeit so richtig los. Eine der ersten Villen an der Promenade in Seewalchen war die Christ-Villa. Herr Christ, der Großvater von Marlen Tostmann, der Gründerin von Tostmann-Trachten, hat die gebaut. Warum wurden diese Villen gebaut? Gute Frage. Die meisten natürlich als Häuser für die Sommerfrische. Aber es gibt auch noch andere Geschichten. Eine geht so: Der Herr Christ hat angeblich einem Freund in Linz geschrieben, er solle sich hier doch auch eine Villa bauen, damit ihm


Text: Zivana de Kozierowski Fotos: Mona Lorenz


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