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Literatur-Spaziergang im Ausseerland

Zuerst entdeckte der Adel diesen wunderschönen Ort, dann kamen immer mehr Schriftsteller, Maler und Musiker nach Altaussee. Von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute haben vor allem bekannte Literaten und bedeutende Persönlichkeiten aus Kunst und Kultur hier ihre Heimat gefunden. Ein Gespräch mit Marianne Goertz, der Obfrau des Literaturmuseums Altaussee.



Am Anfang war Stifter. Dieser oberösterreichische Schriftsteller spielt eine ganz besondere Rolle bei der kulturellen Entwicklung des Ausseerlandes. Dabei weiß kaum jemand, dass der Dichter Adalbert Stifter (1805 – 1868) eigentlich zuerst vor allem ein begnadeter Maler war, bevor er sich ans geschriebene Wort wagte.

In seiner Eigenschaft als Maler also und im Auftrag von Erzherzog Johann malte er bei Bergtouren und beim Wandern im Ausseerland einige der schönsten Landschaftsbilder von dieser Gegend. Zurück in Wien verkehrte Stifter in den Salons der Freiherren von Zedlitz und Baron von Binzer, kulturelle Treffpunkte für die gebildete Oberschicht der damaligen Zeit.

Auf die Frage nach dem schönsten Platz auf Gottes Erdboden dürfte Adalbert Stifter den blaublütigen Gastgebern – so berichten es zumindest Ohrenzeugen – geantwortet haben: „Das Schönste, meine Herren, was ich jemals gesehen habe, ist der Altausseer See!“ Was Zedlitz und Binzer so beeindruckt haben dürfte, dass sie beschlossen, an diesem schönen Gebirgssee ein Refugium für sich und ihresgleichen zu bauen.


Es ist also in gewisser Weise dem Dichter Adalbert Stifter zu verdanken, dass die Wahl des Wiener Adels auf das Ausseerland fiel.



Frau Goertz, ist es wirklich Adalbert Stifter zuzuschreiben, dass so viele Schriftsteller, Maler und Komponisten nach Aussee gekommen sind?

Ja, das stimmt. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts kam fast die gesamte Wiener Prominenz und so berühmte Adelsfamilien wie die Czernin, Eltz oder Hohenlohe, die in den Wiener Salons verkehrten, ins Ausseerland. Diese einflussreichen Adeligen hatten dann wieder andere Persönlichkeiten im Schlepptau, darunter natürlich viele Künstler ...

Wer waren die bekanntesten Schriftsteller, die hier ihre Sommer verbracht haben?

Bei den Schriftstellern ist hier vor allem Hugo von Hofmannsthal zu nennen genauso wie Hermann Broch, Jakob Wassermann oder der damals sehr bekannte Journalist Raoul Auernheimer. Aber auch andere berühmte Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur und Wissenschaft haben hier viele Sommer verbracht. Und Jahre später kam dann der Schriftsteller Friedrich Torberg. Nicht zu vergessen natürlich all die bekannten Komponisten wie Richard Strauss, Johannes Brahms, Egon Wellesz etc. Alle diese Berühmtheiten haben hier gelebt und gewirkt.

Neben der Dauerausstellung im Literaturmuseum läuft aktuell eine Sonderausstellung.

Richtig. Unsere Sonderausstellung ist dem 100-jährigen Jubiläum der Salzburger Festspiele gewidmet, der Titel lautet: „Jedermanns Sommerfrische – Über die Wurzeln der Salzburger Festspiele“. Die Salzburger Festspiele sind ja weltberühmt, doch die Wenigsten wissen, dass dieses kulturelle Groß- ereignis gedanklich im Ausseerland entstanden ist. Der Regisseur Max Reinhardt, der Schriftsteller Hugo von Hofmannsthal und der Musiker Richard Strauss haben sich getroffen und hatten hier in Altaussee die Idee, völker- verbindende Festspiele ins Leben zu rufen.


Ihr persönliches Highlight dieser Ausstellung?

In der Sonderausstellung geht es auch um eine Schlüsselfigur, ohne die es die Salzburger Festspiele wahrscheinlich gar nicht gäbe. Wir wollten unterstreichen und herausarbeiten, dass der in Wien und Aussee lebende Industrielle Camillo Castiglioni, „der“ Geldgeber der Salzburger Festspiele war. Die „künstlerischen Väter“ Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss konnten ihn hierfür gewinnen. Castiglioni hat eine Villa am Grundlsee gehabt und er war letztendlich der Finanzier der Festspiele.


Lassen Sie sich inspirieren!

Die ganze Geschichte lesen Sie jetzt in der aktuellen Ausgabe.

Text: Zivana de Kozierowski Fotos: Monika Löff

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