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Das Tote Gebirge als Herzensanliegen

Gemeinsam mit Lutz Maurer und Franz Sieghartsleitner hat der begeisterte Bergsteiger, Ex-Manager und Fachhochschulprofessor Willibald Girkinger aus Molln den hochwertigen Text-Bildband „Das Tote Gebirge“ herausgebracht. Auf 300 Seiten stellen die kundigen Herausgeber mit zahlreichen prominenten Autorinnen und Autoren das höhlenreichste Gebirge der Alpen vor und würdigen dieses Naturjuwel. Was das Faszinierende am Toten Gebirge ist und welche Spuren Heinrich Harrer dort hinterlassen hat, hat uns Willibald Girkinger im Interview verraten.


(c) Franz Sieghartsleitner


„Wer ein guter Bergsteiger ist, dem rathe ich diese Wüstenei zu besuchen … frei ist der Athem und man denkt sich auch frei, da man so hoch über die übrigen erhoben ist … jeder Gedanke an die große Welt, jeder Kummer schwindet hier.“ Diese tiefe Empfindung drückte Erzherzog Johann nach einer fünftägigen Tour im Toten Gebirge 1810 aus; später zog es ihn sogar auf den Großen Priel, der jahrhundertelang als der höchste Berg Oberösterreichs galt. Wahrscheinlich sind die heutigen Bergsteiger und Tourengeher ähnlich beeindruckt, wenn sie diese imposante Gebirgsgruppe der Nördlichen Kalkalpen zwischen Trauntal und Stodertal überqueren – mit diesen Worten leiten Willibald Girkinger, Lutz Maurer (Regisseur und Miterfinder der ORF-Sendung „Land der Berge“) und Franz Sieghartsleitner (Mitinitiator vom Nationalpark Kalkalpen) ihren Text-Bildband „Das Tote Gebirge – Lebenswelten in einem Naturparadies“ ein.

Das fast 300 Seiten starke Werk mit Texten von und über ausgewiesene Kenner der schönen Bergwelt – darunter Persönlichkeiten wie Gerlinde Kaltenbrunner, Klaus Maria Brandauer oder Hubert von Goisern – bietet ein Kaleidoskop für Natur-, Berg- und Kunstfreunde und wurde im Trauner Verlag herausgegeben.



Traumhaft schön das Grundlsee-Panorama.

(c) Lorenz Sieghartsleitner


Herr Girkinger, was hat Sie dazu motiviert, gemeinsam mit Lutz Maurer und Franz Sieghartsleitner das Buch „Das Tote Gebirge“ herauszugeben?

Willibald Girkinger: Ich bin seit meiner Jugend Bergsteiger. Am liebsten unterwegs war und bin ich im Toten Gebirge, im Sengsengebirge, im Gesäuse sowie im Kaisergebirge in Tirol. Die Motivation für die Herausgabe des Bild- und Textbandes „Das Tote Gebirge“ liegt insbesondere im Schutzgedanken dieser einzigartigen Berglandschaft und seiner unversehrten Bewahrung für Generationen. Die Symbiose von Natur und Kultur dieser Landschaft gibt uns eine Idee davon, was Schönheit und Erhabenheit ist und bringt uns ehrfurchtsvoll zum Staunen.

Können Sie das Tote Gebirge in fünf Sätzen beschreiben?

Das Tote Gebirge ist mit 1.130 Quadratkilometern das größte Plateaugebirge und die größte Karstwüste (quasi das „Tote“ im Toten Gebirge) der Ostalpen, das mit seinen Gegensätzen fasziniert: Öde und Steinwüste, Ausgesetztheit und Einsamkeit einerseits, bunte Bergwiesen, Almen, urige Wälder und Bergseen andererseits. Diese eindrucksvolle „Oberwelt“ mit ihren steilen Bergflanken wird durch eine geheimnisvolle „Unterwelt“ kontrastiert, die als höhlenreichstes Kalkmassiv der Alpen eingestuft werden kann und ein Eldorado für Höhlenforscher ist. Mit seinen unterirdischen Wasserspeichern und mächtigen Quellaustritten stellt dieser Kalkgebirgsstock für die Zukunft eine wichtige Trinkwasserressource dar. Diese Berglandschaft zeichnet sich durch eine beeindruckende Biodiversität und Artenvielfalt aus und ist in großen Teilen noch ein Wildnisgebiet, in dem die Natur sich selbst überlassen ist. Das Tote Gebirge ist eine alternative Erlebniswelt für Bergwanderer, Bergsteiger und Kletterer, eine Oase für Ruhe- und Sinnsuchende in unserer getriebenen Welt. Für Wissenschaftler und Künstler ist es eine fruchtbare Inspirationsquelle.



In einem Kapitel hat sich Willibald Girkinger auf die Spuren von Hans Harrer begeben.

(c) Museum Hüttenberg


Von Sepp Friedhuber über Roland Girtler, Helmut Wittmann bis hin zu Sandra Galatz und Gerlinde Kaltenbrunner – Sie konnten mehr als 20 Autorinnen und Autoren für das Buch gewinnen. Nach welchen Gesichtspunkten haben Sie diese ausgewählt?

Der vielseitige Bild- und Textband über das Tote Gebirge und die Lebenswelten der umgebenden Region sollte durch eine Komposition von naturwissenschaftlichen, ökologischen, erlebnisbezogenen, geschichtlichen und kulturspezifischen Texten und Fotos dargestellt werden, die die Leser auf unterschiedlicher Ebene anspricht. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden Autorinnen und Autoren ausgewählt, welche für die unterschiedlichen Themen Fachexpertise, persönliche Erfahrungen, publizistische Leistungen und Begeisterung einbringen. Das Tote Gebirge und die Lebenswelten in dieser Landschaft ist ihnen ein Herzensanliegen.



Der Ex-Manager und Fachhochschulprofessor Willibald Girkinger ist selbst begeisterter

Bergsteiger und am liebsten im Toten Gebirge unterwegs. Im Hintergrund die Trisselwand. (c) privat


"Die Symbiose von Natur und Kultur dieser Landschaft gibt uns eine Idee davon, was Schönheit und Erhabenheit ist." - DDr. Willibald Girkinger

Der Panorama-Klettersteig „SISI“ trägt den Namen der Kaiserin, weil diese den Loser aus eigener Kraft bestiegen haben soll. Es ist ein sportlich rasanter, meist senkrechter und zugleich aussichtsreicher Klettersteig im Schwierigkeitsgrad D. (c) Markus Raich

In einem Kapitel haben Sie sich auf die Spuren von Heinrich Harrer im Toten Gebirge gemacht. Was haben Sie dabei entdeckt?

Seine Leidenschaft für die Berge führte Heinrich Harrer schon als Geografie- und Sportstudent in den 30iger-Jahren des letzten Jahrhunderts auf die Tau- plitzalm und in das Tote Gebirge. Auf der Tauplitz gründete er eine Skischule und führte Ski- und Kletterkurse durch. Von 1933 bis 1934 leitete er die Grazer Hütte, die 1928 errichtet wurde und im Eigentum des Akademischen Turnvereins Graz steht. Noch heute erinnert in der Hütte eine Heinrich-Harrer-Stube mit einer Informationsecke an diese Zeit. Als Hüttenwart und Skilehrer hat er mit seinen Gästen viele Touren im Toten Gebirge unternommen. Um seine ehrgeizigen Berg- und Kletterziele zu erreichen, durchstieg Heinrich Harrer gemeinsam mit Kurt Wallenfels 1935 erstmals die 200 Meter hohe Westwand des Sturzhahn mit Schwierigkeitsgrad 7 + 8. An einem Wintertag 1932 bestieg er mit seinem Kletterfreund Franz Krauland den Sturzhahn über die Normalroute und beim Abstieg über die Südwand stürzte Harrer durch das Ausbrechen eines Steins 50 Meter ab und verletzte sich schwer. Diese todesnahe Erfahrung hat ihn für sein gesamtes Bergsteigerleben geprägt.



BUCHTIPP:


Das Tote Gebirge

Lebenswelten in einem Naturparadies

Ein reiches Kaleidoskop für Natur-, Berg-, und Kunstfreunde und ein absolutes Muss für alle Liebhaber des Toten Gebirges.


ISBN 978-3-99113-222-6, € 43,80

www.trauner.at



DDr. Willibald Girkinger


Geb. 1947 in Kirchdorf a. d. Krems, aufgewachsen in Molln. Studium an den Universitäten Salzburg und Linz. Managementpositionen in der Industrie, Studiengangsleiter und Professor an der Fachhochschule Wels. Gründungsmitglied und Vorstand des Vereines zu Errichtung des Nationalparks Kalkalpen, Mitglied der US-amerikanischen „National Geographic Society“. Kulturfreund, Naturliebhaber und Sportler. Mehrere wissenschaftliche Publikationen und Mitherausgeber eines Buches über die Steyr und das Steyrtal.


Das Tote Gebirge ist mit 1.130 km2 das größte Plateaugebirge und die größte Karstwüste der Ostalpen. Es erstreckt sich von Hinterstoder mit dem Priel-Gebiet über Spital mit dem Warscheneck-Stock bis nach Bad Ischl, ins Auseerland und bis zur Tauplitz, die eines der größten Almgebiete Österreichs ist.


Text: Ulli Wright

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